Zum Aufwärmen ein Wettlauf mit der Kleinbahn

Helga und Gerhard Rekate: Leben für den Sport / Geburtstage mit runden Zahlen

Familie, Beruf und Sport sind für Gerhard Rekate, einst „Karlsruher Rakete“ und ehemals Abteilungsleiter der Leichtathleten von Eintracht Minden, ein Dreivierteljahrhundert eine Einheit gewesen. „In dieser Reihenfolge“, bekräftigt Ehefrau Helga, die am 30. Dezember ihren 70. Geburtstag feierte, während ihr Ehemann am Neujahrstag das 75. Lebensjahr vollendet. In ihrem Haus an der Hoppenstraße in Hausberge erinnern sich die beiden Geburtstagskinder an Einzelheiten und Anekdoten aus ihrem langen Sportlerleben, als wäre es gestern gewesen. Zeugen sind auch zahlreiche Aktenordner mit Fotos, Zeitungsausschnitten und Urkunden sowie Wimpel, Plakate, Ehrenteller oder Bilder an Wänden und in Schränken.

In Holzhausen-Heddinghausen geboren, spielte Gerhard Rekate am damaligen Lübbecker Aufbaugymnasium Fußball und Handball, ehe er erkannte: „Ich war wohl etwas schnell.“ So trat er 1947 dem TuS Lübbecke bei, dessen Handvoll Leichtathleten von „Taubenzüchter“ Johnny Brune trainiert wurden. Zwei Jahre später wechselte er zum TuS Eintracht Minden.

Mit Heinz Fütterer in einer Staffel

Als A-Jugendlicher feierte Rekate dann 1949 auch schon seine ersten größeren Erfolge, als er über 400 m in Hamm in 53,4 Sekunden Westfalenmeister wurde und mit 11,4 Sekunden über 100 m Platz 11 der deutschen Bestenliste belegte. „Ich musste aber nicht immer gewinnen“, bekennt Rekate, dass ihm neben guten Leistungen stets auch die vielen Bekanntschaften am Rande der Laufbahn wichtig waren.

Bis er 1951 in Lübbecke das Abitur bestand, fuhr Rekate zum Training nach Minden mit der Kleinbahn: „Kurt von Bargen und ich sind – um uns für das Training schon mal aufzuwärmen – bei Steigungen immer hinten aus der Bahn raus, haben sie neben den Gleisen überholt und sind vorn wieder reingeklettert.“
1952 begann Rekate in Karlsruhe ein Maschinenbau-Studium und schloss sich dem KSC-Vorgänger Phönix an, startete in den Semesterferien aber weiter für die Eintracht. In Minden lernte er auch seine spätere Ehefrau Helga Kemena kennen, deren Stärken Mehrkämpfe und Speerwerfen waren. „Ich hatte aber wenig Ehrgeiz“, räumt sie ein, wurde 1955 in Dortmund mit 31,97 Metern aber immerhin westfälische Vizemeisterin im Speerwerfen.

In Karlsruhe erlebte Gerhard Rekate u. a. den Bau des Wildparkstadions mit und lief mit Olympia-Teilnehmer Heinz Fütterer in der Sprintstaffel des Vereins. Der Reutlinger Generalanzeiger beschrieb „Rakete“ damals auch als „drahtiges schwarzhaariges Geschöpf“.

Nach der Heirat in 1957 waren dann u. a. Espelkamp, Dortmund, Oldenburg und Düsseldorf berufliche Stationen des Diplom-Ingenieurs, doch immer blieben die Rekates Eintracht Minden treu.

„Je älter ich wurde, desto länger wurden die Strecken“, erinnert sich Gerhard Rekate u. a. an seine beiden Marathon-Läufe in Dortmund und 1975 auf der klassischen Strecke von Sparta nach Athen sowie an den Golden-Gate-Lauf 1978 über 15 km in San Franzisco.

Als 1976 die Glasfabrik Wittekind an der Friedrich-Wilhelm-Straße in Minden neuer Arbeitsort und 1980 der jetzige Wohnsitz in Hausberge bezogen wurde, engagierte sich Gerhard Rekate auch mehr in der Vereinsführung, wurde 1978 zum 2. Vorsitzenden gewählt und war von 1980 bis 1982 sowie – nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben – von 1994 bis 1997 und 1999 bis 2001 jeweils Leiter der Leichtathletik-Abteilung.

Helga bei den Sportabzeichen vorn

In diese Zeiten fielen u. a. der Ausbau des ehemaligen MTV-Domizils zum Eintracht-Vereinsheim, die Ausrichtung von deutschen Senioren-Meisterschaften und der erste Marathon in Minden. Ehefrau Helga setzt sich mehr im Hintergrund ein für das Vereinsleben und den Nachwuchs: „Ich wollte im Sinne des unvergessenen Robert Hannemanns etwas an die Kinder zurückgeben.“

Sportlich hat Helga ihrem Ehemann aber durchaus etwas voraus: „Ich habe das Deutsche Sportabzeichen 30 Mal abgelegt, Gerd nur 25 Mal, wegen des Schwimmens …“

Und sportlich sind auch die drei Rekate-Kinder: Jörg trainiert in Marburg Nachwuchs-Fußballer, Petra als ehemals starke 800-Meter-Läuferin ist in Bielefeld Leichtathletik-Kampfrichterin, und Dirk – früher Mehrkämpfer und Altliga-Fußballer – spielt beim TuS Holzhausen/Porta nun Handball.

31.12.2005 minden-web